Freitag, 21. März 2014

"Kommst du 'raus, spielen?"



Für mich ist das ganze Leben ein Spiel. Immer mehr sehe ich das alles um mich herum einfach nur ein grandioses Spiel ist, mit vielen komplexen Handlungen und wechselnden Mitspielern.Und egal wie ich mich entscheide ob ich dabei Spaß habe oder mies gelaunt bin, ob ich mich ins Spiel-Geschehen hinein schmeiße oder am Rand stehen bleibe, das Leben spielt einfach weiter und lädt mich andauernd ein.

Als meine Kinder klein waren, wohnten wir in der Stadt in einem alten Haus am Hang. Vorne die



Straße, hinten der "Staffel". Die Kinder konnten ums Haus rennen und durchs achterpoortje - das hinten-rum-Törchen- in der Sackgasse spielen. Da gabs die ideale Strecke für Bobbycar-Rennen, und es gab auch ein kleiner Spielplatz mit Sandkasten und Rutsche.

Jeder Nachmittag klingelte es bei uns an der Tür, da standen dann ein paar Kinder aus der Nachbarschaft die immer die gleiche Frage stellten: "Kommst du raus, spielen?" Mein Großer schleppte dann eine Tasche voller Zeug mit und die Mädchen nahmen die vier Jahr jüngere Tochter zwischen sich an der Hand. Ab ging die Bande. Ich sah sie erst wieder als sie Hunger oder Durst
bekamen. Die Kinder tauchten in der Gruppe in ihre ganz eigene Welt ein und waren richtig gut beschäftigt.

Was machten sie? Als ich ab und zu kam und mir umschaute waren sie meistens dabei irgendein Alltags-Geschehen durch zu spielen. Es gab immer einen Vater, eine Mutter und Kinder natürlich aber auch Bäcker, Lastwagen-Fahrer, eine Kindergärtnerin, ein Arzt oder auch ein Eisverkäufer.
Aus diese intensive Spiel-Zeit habe ich gelernt das Kinder eigentlich gar nicht "spielen" in dem Sinne. Sie brauchen kaum oder gar kein Spielzeug, sie brauchen nur die Möglichkeit ihre Welt nach- zu spielen, nach- zu ahmen. und das ist harte Arbeit. Darin gehen sie komplett auf.

Der Boden im Spielhaus unter der Rutsche musste gekehrt werden, immer wieder neu. Die Teller und Tassen wurden abgewaschen und sauber verstaut. Die Betten wurden gemacht, die Wäsche gewaschen. Die Arbeiten wurden mit Hingabe getan. Weil, so gehört sich das. So ist das Leben.

So machen wir das doch immer noch! Das Leben ruft: "Kommst du 'raus, spielen?" aber wartet nicht wie wir antworten. Wenn wir nicht wollen läuft das Leben einfach ohne uns weiter. Aber wenn wir uns auf das Spiel einlassen, können wir es immer so gestalten wie wir wollen.

Ich habe Lebensphasen gehabt da wollte ich nicht. Ich habe mich in meinem Bett verkrochen und die Decke über meinen Kopf gezogen. Die Welt draußen schien mir Feindselig und ich wollte nichts damit zu tun haben.

Aber das Leben will doch einfach nur das ich mit-spiele? Meine Arbeit? Ein Spiel! Meine Beziehungen? Noch mehr Spielen. Manchmal spielen wir Streit. Spannend. Aufregend. Aber nicht immer. Streit spielen kann auch weh tun und verzweifelt machen ob wir je wieder raus finden. Liebe spielen ist schön, ist kuschelig und erregend. Aber nicht immer. Es kann auch einengen und abhängig machen.

Ich habe die Wahl. Welches Spiel will ich spielen? Welche ist Heute meine Rolle?

Mir ist in letzter Zeit aufgefallen das ich eigentlich immer die gleichen Rollen wähle. Wenn ich in einem Streit-Spiel verwickelt bin zum Beispiel, neige ich dazu schmollig zu werden und zu zeuren. Ich kann echt jammern, dafür bin ich ja auch ein Schaf, laut meinem Chinesischen Horoskop.

Bis ich dachte: warum erweitere ich nicht mal meinen Spielraum? Ich bin doch echt nicht darauf angewiesen immer nur zu meckern wenn mir etwas nicht passt. Ich könnte auch einfach darüber lachen statt mich zu ärgern. Ebenfalls gibt es kein Gesetz das mich dazu verurteilt immer beleidigt zu reagieren wenn mein Schatzi meine Kochkünste mal nicht würdigt. Und genau so gut könnte ich meine Wut zeigen wenn mir etwas nicht passt, anstatt immer nur mit Verständnis zu reagieren.

Jetzt schreie ich  häufiger rum und fühle wie mich das erleichtert. Wenn ich genau so oft an die Decke gehen kann als heulen, dann weiß ich das ich meinen Spielraum echt erweitert habe und meine Konflikte angehe und löse, anstatt sie immer nur in der alt-bewährte Art und Weise aus zu halten.

Das Leben klingelt und ruft. "Kommst du 'raus, spielen?" Ich habe mich entschieden so oft mit zu gehen wie ich Lust habe, viel öfter wie ich es je getan habe, und dann viele verschiedene Rollen aus zu wählen und viele verschiedene Spiel-Arten aus zu probieren. Das ist echt toll. Ich lerne mich ganz anders kennen, bin überrascht und habe sehr viel mehr Spaß wie bisher.

Erweitere doch deinen Spielraum und probiere einfach mal andere Reaktionen, andere Handlungen, eine andere Art zu reden oder zu schweigen aus. Es geht. Es ist immer nur eine Entscheidung von dir entfernt wie du dich erleben willst. Es macht dich weit und offen. Du bist nicht festgelegt, du kannst dich ändern. Viel mehr wie du vielleicht bisher gedacht hast!



„Denn, um es endlich auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt." (Friedrich Schiller)


Und, wie geht es dir geht mit so einen Spiel-Wechsel? Hast du das auch schon probiert? Du kannst gerne dein Kommentar dazu hier posten, ich freue mich darauf!



Kommentare:

  1. Jaaaa, so ein Spiel-Wechsel ist absolut befreiend, auch wenn er den Menschen um mich rum nicht immer passte, denn dann kam das "Mobile" aus dem Gleichgewicht.

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    1. Genau Hanne! Es passt den anderen in unsere Umgebung oft gar nicht wenn wir uns verändern. jeder Befreiungsschlag hat seinen Preis, sag ich einfach mal :)

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