Montag, 20. Januar 2014

Warte nicht auf das Leben, das Leben wartet nicht auf dich!



Heute Früh noch bevor ich mein Kaffee getrunken und mein Frühstück gegessen hatte, teilte ein Freund etwas auf Facebook das mich erschütterte. Schaue dir zuerst das Video an.








Amanda war eine junge Frau in Kanada die ich ganz bestimmt nie begegnet wäre. Aber durch Twitter hat sie die ganze Welt die es lesen wollte und konnte an ihre Geschichte teilhaben lassen.

Ein Leben so kurz in solch knappe Sätze gefasst, das wir nur in Twitter-Staccato davon etwas mitbekommen: sie ist anscheinend nach Ottawa gezogen und will rauskriegen wie sie dort mehr Menschen kennen lernen kann, sie liebt Gothic, mag den Winter nicht besonders, sucht Anschluss an Gleichgesinnte, will sehr viel mehr Aufmerksamkeit als sie in Wirklichkeit bekommt, sieht sich selbst als wenig normal, hat schwarzer Humor passend zu ihre Gothic Outfits und arbeitet irgendwo in einem Büro.

Und dann passiert das unfassbare: mitten in diesem unscheinbaren Leben schlägt unbarmherzig und gnadenlos eine unheilbare Krankheit zu. Amanda schreibt: ich habe noch 3 Monate zu leben.
Auch das teilt sie über Twitter. So wie sie vorher übers festsitzen im Lift schreibt, posted sie jetzt das Testergebnis von den Ärzten und das sie Todesangst hat.

Ganz lapidar meldet sie am 19. Januar: "Deciding what to do for the rest of my life" (entscheide mich was ich tun will für den rest meines lebens). Sie lässt alles hinter sich und reist 2 Monaten durch Süd-Amerika.

Zurückgekommen schreibt sie:
"Tonight I have to get up the nerve to call my mom who hasn't spoken to me in 5 years". (will heute den mut aufbringen meine mom an zu rufen, hat in 5 jahre nicht mehr mit mir gesprochen)

Zwei Wochen später: "Don't spend time being angry at people. Forgive them. Life is entirely too short"(vergeude keine zeit damit böse auf menschen zu sein. vergebe ihnen. das leben ist viel zu kurz).
Und danach :  "Be good to each other"(sei lieb zu einander).

5 Tage später meldet ihr Bruder das Amanda gestorben ist.

Spätestens wenn du hier angekommen bist im Video und das perfekt passende Lied von Passenger "Let Her Go" dazu hörst hat es dich erschüttert und lässt es dich vielleicht ratlos zurück.

Weil so ist es: wie in dem Lied gesungen wird, werden wir uns meistens erst dann Gewahr das wir jemanden lieben wenn wir in Gefahr sind ihm zu verlieren.
 "Ich liebe dich!" sagen, das macht verletzlich. Es scheint vielleicht sentimental, und wir machen uns vor das sie/er es doch eigentlich sowieso und überhaupt weißt. Wozu dann etwas riskieren?

Aber was wenn diese Person auf einmal nicht mehr da ist? Was hast du dann verpasst?
Worauf wartest du?

Gestern rief mir eine meiner älteste, treueste Freundinnen an. Sie erzählte mir das sie Brustkrebs hat. Einfach so, am Telefon. Das war wie das umkippen eines Lichtschalters. Von einer Sekunde auf die nächste war alles, aber dann auch alles andere unwichtig. Nur sie nicht. Es gab nichts wichtigeres als ihr zu erzählen wiesehr ich sie liebe. Was sie mir bedeutet.  Und dann heulten wir zusammen.
Es waren nicht so viele Sätze, nicht viele Worte. Aber die einzig wichtige.

Sie sagte: "sobald ich die Diagnose bekam, war alles sofort anders. Nicht schleichend. Keine Zeit mehr zu träumen, keine Zeit für Unwichtiges, nur die Gegenwart und immer der Mensch der gerade da ist. Sonst ist nichts anders wichtig."

Ich habe das schon öfters erlebt: in dem Moment wo etwas passiert was Größer ist wie mein kleines Ich und das über mich wegrollt, dann bin ich einfach da und fühle mich lebendig wie sonst nie. Brauchen wir den Tod, die Krankheit, die Unfälle um uns zu spüren? Um zu leben? Nein, ich glaube nicht nur. Aber auch.

Als ich meine Kinder gebar und im nachhinein versuchte ein zu fangen was da eigentlich passiert war in den Stunden der Geburt, konnte ich das nur umschreiben mit den Worten: "Ich war Hier und doch im Himmel". Zwischen zwei Welten. Hier und Dort. Und sehr, sehr lebendig. Es ließ mich zurück mit Gefühle die ich vorher nicht erlebt habe.

Und als mein Vater starb war das genauso. Sein Tod, der Verlust und den Schmerz brachten mir an die Grenze zwischen das Hier und Jenseits. Zwischen Himmel und Erde. Es machte uns, die Geschwister und meine Mutter, in der kurze Zeit danach ganz durchlässig, komplett im Hier und Jetzt.

Ich sehe noch die Farben von den Bäumen an der Terrasse, wo wir alle zusammen saßen und über Vater sprachen. Ich weiß was ich getragen habe. Wie meine Brüder aussahen. Wie wir gelacht haben, geweint. Wie schmerzlich wir den Bruder vermissten der nicht dabei sein wollte.

Wir waren zusammen da, und lebten dieses verrückte Leben. Und irgendwo war Vater auch da. Er war auf der andere Seite und doch war er bei uns. Überlebensgroß. So groß wie nie während sein Leben. Befreit von seiner irdische Hülle, endlich frei. Endlich keine Schmerzen mehr, keine schreckliche Alpträume über den Krieg, den er nie richtig verarbeitet hat.

Was blieb war Liebe. Unfassbar groß, unaussprechlich schön und so präsent das ich jedes Mal dachte, gleich steht er wirklich neben uns, ich brauche mich nur umdrehen, dann ist er da.

So etwas ähnliches erlebte ich Gestern am Telefon mit meiner Freundin auch. Sie lebt, Gottseidank, und ich bin mir sicher sie wird weiter leben, und ganz alt werden. Aber genauso war das, ich spürte auch wieder diese unfassbar große Liebe, das einzige was zählt.

Es hatte nichts damit zu tun das sie so viele wunderbare Erinnerungen in mir weckt. Es hat nichts damit zu tun was für tolle Sachen sie schon getan hat in ihrem Leben, wie viel sie erreicht hat, noch vor Kurzem so nebenbei ihre Heilpraktiker-Prüfung  bestanden hat, eine tolle Therapeutin und eine besondere Mutter ist. Nein, damit hat es alles gar nichts zu tun.
Sie bedeutet mir soviel einfach weil sie existiert. Weil es keine gibt so wie sie. Keine. Und dafür liebe ich sie unendlich.

Meine Lieben: warte nicht bis es zu spät ist! Amanda's Story ist so erschütternd weil sie uns daran erinnert wie schnell alles vorbei sein kann. Komm, rufe dein Bruder den du seit Jahren nicht mehr gesprochen hast, Heute Abend noch an. Ich tue es auch. Schreibe deine Mutter endlich diesen Brief das du sie verzeihst. Wir brauchen alle Vergebung. Nur durch Vergebung können wir geheilt werden und frei werden für Liebe. Liebe für uns selber, Liebe die wir weiter geben können, Liebe die sich vermehrt indem wir sie frei setzen.

Nur so können wir wirklich leben. Alles andere ist schon der Tod.






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