Sonntag, 19. Januar 2014

Durch den Haushalt fliegen lernen : Schublade vor Schublade



Diese Schublade ist die rommel-la in meiner Küche. Seit 2 Jahre wohne ich in München, habe einiges dazu beigetragen das die Küche voller aber auch besser genutzt wurde, und habe vor allem auch die Schubladen und Schränken vollgestopft mit meinem troep.

"Wo sind die Zahnstocher? Ich habe doch noch welche! Und wo sind die Tortenheber? Davon habe ich


3 Stück, die können unmöglich alle einfach weg sein! Mein Gott, ich finde hier nichts mehr!!" So ähnlich klingt es bei mir aus der Küche. Oft. Ich denke mehrmals in der Woche. Und dabei haben wir eine kleine Küche.

Meine frühere Küche war auch klein aber wahnsinnig gut organisiert und aufgeräumt. Alles hatte sein Platz, ich musste nie suchen. Ach, warum krieg ich das hier nicht hin????

Wir haben letztendlich viel zu viel Zeug. Unnützes, das Schubladen zumüllt, blockiert und verrammelt. Dadurch gehen die weder auf noch zu. Sehr unerfreulich.

Aber weil Bloggen, Thermomixen, Kochen, Tee trinken, Gassi gehen, Schreiben, Coachen, Schlafen, Facebooken, Essen, oder Nähen mir immer wieder wichtiger sind wie aufräumen, blieb meine Schublade voller troep und ich war extrem demotiviert etwas daran zu ändern.

Bis ich mich Heute plötzlich daran erinnerte das es auch ganz anders geht und alles leicht und einfach sein kann: in einer richtig gut organisierte, aufgeräumte Küche zu arbeiten macht viel mehr Spass!

Das kenne ich doch, das war schon mal, und dann gab's doch, genau:  Flylady.
Marla Cilley, die Flylady in Person, ist genau so eine kreative Chaotin wie ich eine Sidetracked Home Executive (SHE). Ich fühlte mich damals, vor 10 Jahren mitten in einem Burn-Out mit 2 kleine Kinder und keine Ahnung wie ich mein Haushalt wieder im Griff kriegen kann, von Flylady komplett verstanden.  Meine Latte lag unendlich hoch, ich war in Prinzip eine Perfektionistin und weil ich meine eigene viel zu hohe Erwartungen unmöglich erfüllen konnte, gab ich irgendwann auf und machte gar nichts mehr.

Eine zugemüllte Schublade? Haha, laat me niet lachen, ein chaotisches Haus hatte ich! Aber Flylady hat mich da raus und durch geholfen: Schublade vor Schublade. Zimmer vor Zimmer.

Das wichtigste Aha-Erlebnis dabei hatte ich als ich verstand warum ich so bin wie ich bin.
Es gibt zwei Sorten von Frauen,  behauptet Flylady, die Einen sind BO's und die Andere SHE'S.

Ich gehöre zu den SHE's immer abgelenkt, chaotisch, aber dafür sehr kreativ ! Eine BO aber ist Born Organised, organisiert geboren. Diese Frauen haben immer alles im Griff. Das Haus ist aufgeräumt und geputzt, auch in den Ecken und hinter den Türen. Die Fenster spiegeln, die Wäsche hängt duftend an der Leine, und der Kuchen steht im Nu auf dem Tisch wenn sich unerwartet Besuch ankündigt.

Diese Frauen habe einfach ein Gen was uns - den Ver(w)irrte Hausfrauen -  komplett fehlt:  das Organisations-und-Überblick-Gen. Aber das macht gar nichts. Was denen angeboren ist, können wir in kleinen Schritten, in unserem Tempo lernen, mit Geduld, Ausdauer und vor allem, mit viel Liebe und Akzeptanz für unser "so-sein". Hauptsache wir verabschieden und von dem "ich-muss-perfekt-sein-Anspruch". Und wir lernen uns dabei nicht mehr so ernst zu nehmen und über uns zu lachen.

Ich hatte eine Freundin die organisiert geboren war. Total intimiderend. Egal was sie machte, es war perfekt und einschüchternd. Als ich sie besuchte, und wir in ihre Küche in angeregte Unterhaltung warteten auf das kochende Wasser für den Tee, hat sie nicht - sowie ich - mit den Armen über einander an die Küchentheke gelehnt, geplaudert und dann den Tee aufgegossen. Nein, in der Zeit sah sie das in der Kruschtschublade etwas Unordnung war. Und ratzfatz war die Schublade in den zwei Minuten bis das Wasser kochte aufgeräumt: Kordel zusammengeknäuelt, nach Farbe sortiert, Gummis in einem Döschen gepackt, Etiketten nach Größe eingeordnet in einem Kästchen, Stifte aussortiert und welche die nicht mehr geschrieben haben weggeworfen und das Alles WÄHREND wir babbelden. Ich stand mit offenem Mund daneben. Zuhause hatte ich auch eine solche Schublade (allerdings viel voller und chaotischer) und ich wäre NIE, aber auch NIE auf die Idee gekommen die während ein Gespräch mit meiner Freundin schnell und gründlich auf zu räumen.

Nach dem Tee trinken, räumte meine Freundin nicht nur die Tassen und Keksdose weg, sondern schüttelte die Kissen vom Sofa auf, fegte die Kekskrümmel weg und spülte die Teekanne sofort aus.
Das Beste daran: diese Handlungen liefen unbemerkt, nebenbei ab und dauerten nur wenigen Minuten. Diese Freundin behauptete immer: ach, mein Haushalt erledigt sich doch zwischen anderen Aufgaben. Sie ist eben organisiert geboren und versteht Menschen nicht die das nicht sind. Sie meint, denen mangelt es einfach an Disziplin und Willen.

Das dachte ich auch immer. Bis ich mein Burn-Out hatte und Gottseidank Flylady kennen lernte.
Marla befreite mich von den gigantischen Schuldgefühlen die ich hatte weil ich zwei Kinder, Arbeit und Haushalt nicht unter einem Hut brachte und gefühlsmäßig und real im Chaos versank.
Diese Tipps von Flylady haben mir damals das Leben gerettet:



1. Shine Your Sink! Schrubbe deine Spüle bis sie glänzt! Auch wenn drum-rum alles schmuddelig und unaufgeräumt ist, wenn du in deine Küche kommst und die Spüle dir entgegen glänzt, sieht alles besser und leichter aus. Es war mein Anker um Abends bevor ich ins Bett ging meine Spüle noch einmal leer zu räumen und auf zu polieren. Morgens nach dem Aufstehen fing der Tag dadurch soviel leichter an.

2. Gewöhne dich an kurze, effektive Routinen, für jeden Tag. Das FLYing System sieht jeden Tag ein 15 Minuten Wirbelwind-Aufräumen-Beseitigen  in einem Zimmer vor. Punkt. Es ist unglaublich was du erledigen kannst in 15 Minuten. Du weißt wie das ist wenn sich Besuch unerwartet ankündigt und du noch 15 Minuten hast deine Bude auf Vordermann zu bringen: es funktioniert immer!

3. Lass dich nicht ablenken bevor die 15 Minuten Routinen getan sind. Geh vorher nicht am PC, trinke nicht gemütlich ein Käffchen, tratsche nicht mit deiner Freundin am Telefon. Tue einfach das was du deine Kinder auch beibringst (oder wenigstens versuchst bei zu bringen): zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen!

4. Lass dich nicht zu Multitasking verführen: fange ein Job an und BRINGE SIE ZU ENDE! Das war besonders wichtig für mich. Ich bin eine Scannerin (ein anderes Konzept worüber ich auch nochmal schreiben werde) und habe die Neigung 10 Sachen gleichzeitig an zu fangen. Dadurch habe ich aber auch immer zahllose offene Baustellen die mir gar nicht gut tun.

5. Fange nur was Neues an was du innerhalb von einer Stunde auch wieder einräumen kannst. Sehe Oben!

6. Tue dir selber was Gutes, jeden Tag, am besten Morgens und Abends. Sich mal was "gönnen können" war eine große Herausforderung. Vor meinem Burn-out glaubte ich doch tatsächlich das ich mir so etwas zuerst "verdienen" musste!

7. Arbeite jeder Job so schnell wie möglich ab, dann hast du mehr Zeit zum spielen! Oja, so ist es. Ich habe die 5 und 15 Minuten Putz-Attacken die mir als ein Wirbelwind durchs Haus rasen lassen wirklich lieben gelernt. Ich wurde immer schneller, immer effektiver.  Das ist Fitness-Training ohne teures Abo und macht wirklich Spass.

8. Lächle, drehe das Radio auf, singe und tanze - auch wenn dir nicht danach ist! Und so lernte ich durch die Küche zu rocken, ins Wohnzimmer zu wälzen und im Flur zu boogien. Das sorgt für sofortige gute Laune, vor allem wenn ich dazu mitsinge.

9. Lobe dich. Du bist toll! Stimmt. Flylady hat mich gelehrt das ich einfach gut genug bin so wie ich gerade bin. Und mich dafür zu loben das ich mich anstrenge, mein Bestes gebe und lerne zufrieden zu sein mit meinen Fortschritten und mich nicht zu schimpfen wenn ich mal zurückfalle.

Ach, dear Flylady ich bin so froh das ich damals auf dich gehört habe! In kleinen Schritten - BabySteps  - habe ich mein Chaos nach und nach gezähmt und mein Selbstrespekt und Freude an das was ich tue wieder zurück gewonnen.

Und dank dir, weiß ich jetzt wie mühelos und schnell das gehen kann. Also, habe ich Heute Vormittag mit meine Mutter telefoniert, ganz gemütlich über koetjes en kalfjes geplaudert
(dies und jenes) und während unsere 20 Minuten am Telefon habe ich die Schublade in der Küche ausgeleert, aussortiert, ausgewischt, wieder eingeräumt, und eine Tüte voller Kruscht weggeworfen.



So einfach war das. Mit einem Hand, ohne viel zu überlegen habe ich das wichtigste von unwichtigem getrennt. Das hat Gut getan, ich habe meine Mama glücklich gemacht, wir haben viel gelacht und danach hatte ich noch genug Zeit zum Bloggen.

Flylady, I love you!

Kommentare:

  1. Danke für die Motivation! Ich habe früher viel von Flylady gemacht, es aber in Lauf der Zeit wieder vergessen. Gut, dass du mich erinnert hast. Btw, ich nutze deinen Blog zum Niederländisch üben und habe alle Vokabeln nachgeschlagen. Danke für deine Arbeit.

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    1. Super Susanne! Ja, FlyLady macht spass! Irgendwann hatte ich das FlyingSystem intus und danach haben die viele Mails mich einfach nur noch geärgert und habe ich sie abbestellt. Meistens komme ich gut zurecht, aber ich muss mir doch immer wieder einen Rück geben und mich ans wesentliche erinnern.
      Ich freue mich das du dein Nl üben kannst, die Idee ist von alleine so gewachsen. Nur lernst du bei mir vieles das ein beetje grappig und auch overbodig is, aber was soll's ??? Es macht eben Spass! Ich schaue mich mal an was du so treibst , liebe groeten uit München van Joan

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  2. Danke, Joan, tausend Dank!
    Leider bin auch ich ein Mensch, der sich schwer damit tut, Ordnung zu halten, so dass immer, kurz bevor Besuch kommt, Hektik ausbricht und noch alles auf Vordermann gebracht werden muss... Das System von flyinglady klingt echt praktikabel, das werde ich mir zu Herzen nehmen und hoffentlich auch durchhalten! Jedenfalls herzlichen Dank für diese Anregung!
    Schönen Sonntag und liebe Grüße, Moni

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    1. Ich bin mir sicher das FlyLady auch dich helfen kann Moni! Es gibt keine Hoffnungslose Fälle, das habe ich schon oft erlebt. Lese die Testimonials auf der Seite von FlyLady mal durch, da kommst du aus dem Staunen nicht mehr raus. Viel Erfolg wünscht dir Joan

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    2. Liebe Moni,
      das kenne ich auch gut. Früher hat mich das echt gestresst, bis ich an den Punkt kam dass es mir wirklich scheißegal war. Da habe ich verstanden wer mich wirklich lieb, der liebt mich auch im Chaos. Das hat mich sehr entspannt.
      Heute finde ich es sogar toll, wenn ein Besuch mich dazu ermuntert endlich mal etwas gründlicher durch die Wohnung zu feudeln. Dann freu ich mich wenn nachher alles blitzt und blinkt. Aber inzwischen habe ich auch gelernt, dass meine Freunde auch kein Problem damit haben, wenn es mal nicht aufgeräumt ist.
      Ich habe gelernt mich selber erst einmal so zu lieben wie ich bin, auch im Chaos. Dann habe ich gelernt, dass meine Freunde mich auch so lieben wie ich bin. Danach kam durfte ich erfahren, dass es meinen Freunden nämlich genauso ging wie mir, auch ihr Haushalt versank ab und zu im Chaos und inzwischen gehen auch sie viel entspannter damit um. Wir stressen uns alle nicht mehr so und unsere Wohnungen sind eigentlich alle ziemlich ok. Dafür hat der Stress abgenommen und wir genießen ab und zu ein Käffchen in der Küche ohne das irgendwer von uns auf die Idee käme, jetzt nebenbei noch ne Küchenschublade aufzuräumen.
      Das Leben ist viel zu kurz um sich über so etwas den Kopf zu zerbrechen.

      apropos Käffchen.......

      ....

      *schlürf*

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  3. Liebe Joan,
    ich liebe deine Artikel und ich freue mich, dass du mehr und mehr zeigst, was du außer kochen mit dem Thermomix sonst noch drauf hast. Was die meisten deiner Leser bestimmt nicht wissen (aber inzwischen sicher beginnen zu ahnen) du bist eine hervorragende Therapeutin und Choach(in). Bitte mehr von diesen tollen Texten und Anregungen.

    Zu deiner super organisierten Freundin, die nebenbei die Küche aufräumt, fällt mir nur ein, dass ihr ein wirkliches Gespräch mit dir anscheinend nicht so wichtig war. Ordnung zu halten und alles unter Kontrolle zu haben scheint ihr wichtiger zu sein als dem anderen mit ganzer Aufmerksamkeit und Achtsamkeit zu begegnen. Auch eine Methode andere auf Distanz zu halten und für mich vor allem ein Zeichen von dem Bedürfnis unbedingt alles unter Kontrolle zu haben.

    Mir sind da Menschen, die auch mal alle fünfe gerade sein lassen könne viel lieber. Ja mei, dann haben wir eben keine Eier mehr für die Waffel, ist doch ne tolle Gelegenheit zu den Nachbar zu gehen um Hilfe zu bitten und sie gleichzeitig endlich mal wieder auf einen Kaffee einzuladen. Das fördert doch auch ein gutes Miteinander.

    Sogenannte Perfekte Menschen, müssen das natürlich nie. Sie brauchen andere nicht um Hilfe bitten, sie sind lieber in der starken gebenden/dominaten Position. WIE ANSTRENGEND.

    Mit deinem Tollen Artikeln, machst du uns liebevollen Chaoten Mut uns so zu lieben wie wir sind und dennoch in kleinen Schritten immer wieder neues Land um betreten. Denn so wie du es erklärst ist es ja gar nicht sooooo schlimm.

    So, ich geh dann mal in die Küche und nehme mir die zweite Schublade vor *lach*

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    1. Liebe Mimi, danke für dein liebevolles kommentar! tja, solche frauen muss es auch geben denk ich mir, auf jeden fall habe ich einiges von ihr gelernt! Aber wenn ich ein richtiges tiefes gespräch führe, räume ich nebenbei die küche nicht auf. Da nehme ich mir zeit und konzentriere mich, und das ist immer wichtiger wie eine saubere wohnung!
      deine joan

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  4. Ha! Danke für den Blog Beitrag!
    Ich hab dann vorhin mal mein spühlbecken geschrubbt :)

    Liebe grüße, Sara

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    1. Jaaaa. ... sehr! Jeden Tag mache ich das jetzt. Großartig! Ich werde mir wohl das ganze Konzept zu Gemüte führen.

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    2. super! ich werde da auch weiter dran bleiben in meinem blog :)

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  5. Spülbecken.... natürlich ohne H *tzzz*

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    1. Danke für die hilfreiche Rückmeldung Anonymous, ich lerne jeden Tag neu dazu;) LG von Joan

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  6. Wer bitte kennt das nicht. Ich habe auch keine große Küche aber wenn ich etwas Bestimmtes suche, kann ich sicher sein es nicht zu finden. Dein Artikel hat mich erinnert mal wider aufzuräumen. Das zu entsorgen was nicht gebraucht wird und die wichtigen Utensilien an einen Platz zu räumen an dem ich sie wieder finde. Ich gehe gleich an Werk…sonnst mache ich es eh nicht.

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    1. @Ulrike: ja, das gleich machen hilft ungemein. "Stel niet uit tot morgen wat je heden kan verrichten" war eine Redeweise aus meiner Kindheit ; "Verschiebe nicht auf den morgigen Tag was du noch Heute in Angriff nehmen kannst!" Ich habe es als Kind gehasst, sehe das jetzt anders.

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  7. Das mit der Spüle war mir vorher schon klar, ich weiss nicht warum, aber das ging vorher schon!!! Deine anderen Motivationsratschläge werde ich intensiv in mein Leben integrieren, ich freu mich immer wenn ich seh dass ich nicht das einzige Chaostrinchen bin, manchmal schäme ich mich so dafür !! Ich liebe Deinen Blog und bleib so gern dabei, Gruß Elke

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    1. Liebe Elke, es gibt gar aber auch wirlich gar keinen Grund dich zu schämen. Du bist toll so wie du bist, ich denke immer das mein Schöpfer uns Chaoten ganz arg liebt. Was soll der bloß mit perfekten Menschen? Das ist doch langweilig! Freut mich das ich dich inspirieren kann, einfach dr'an bleiben, es kommt noch mehr! LG von Joan

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