Freitag, 6. Dezember 2013

Bin dann mal weg um eine Heldin zu werden!


"Eine Welt ohne Geschichten ist eine Welt ohne Seele" (Uwe Walter)

Liebe Leser!

Heute lade ich euch ein mit mir zu kommen. Wir gehen auf Abenteuer und machen eine Heldenreise. Wie bitte? Was? Ja, eine Heldenreise. So wie in den echten spannenden Geschichten. Nur das DU hier der Held oder die Heldin sein wirst! Wir fangen einfach dort an wo du jetzt bist, und ich will dich etwas fragen: Wie lebst du? Was hättest du gern anders? Wonach sehnst du dich? Welche Träume liegen tief begraben in deinem Unterbewusstsein?
Wenn du jetzt sagst: "Och nee, bei mir liegt nichts begraben" (außer Socken unter Berge von alten Zeitungen), dann ist dieser Artikel wahrscheinlich nicht für dich. Schon wieder Zeit gespart!
Wenn du aber aufspringst und rufst: "Ja! Genau. Etwas kribbelt schon lange in mir!", und diese Unruhe dich aufrüttelt und dir zuflüstert: "Da, im Ungewissen, Unbekannten und Gefährlichen, liegt ein großer Schatz, der darauf wartet von dir entdeckt, erobert, und im Triumph nach Hause gebracht zu werden!", dann könnte dieser Artikel der Anfang von etwas Großem und Mächtigen sein: Deine eigene Heldenreise.

Jetzt, ganz schnell, bevor du wieder einschläfst und dir sagst: "Nein, ich doch nicht, auf mich wartet Nichts und 




Niemand und auf keinen Fall ein Abenteuer. Ich habe ein Haus, das ich abzahle, drei Kinder die viel Kraft kosten, einen Mann mit nervösem Magen und einen Hund der seine Haare überall auf der Couch hinterlässt. Außerdem traue ich mich nicht und habe immer kalte Füße. Und sowieso und überhaupt habe ich keine Zeit für eine Reise und erst Recht nicht ins Unbekannte."

Wie antwortest du? Ohne lange darüber nach zu denken, ohne zu zögern. Schließe deine Augen, halte deine Ohren zu und lausche auf die leise, kleine Stimme tief in deinem Inneren, dort wovon dein Verstand gar nichts weißt, wovon du nicht denkst das es das in dir gibt. Da lebt was. Da regt sich was. Etwas das größer ist als du. Etwas das diesen Ruf zum Abenteuer hört und raus will!

Raus aus der Schuldenfalle, raus aus dem Alltag mit verschimmelte Butterbrotdosen und schmutzige Wäsche und rein ins Abenteuer. Komme was mag!


Und obwohl alles in dir schreit: "Bist du verrückt geworden, lass das bleiben, das kann nicht gut gehen!" holst du jetzt tief Atem, nimmst deine Lieblingsjacke, deine feste Wanderstiefel, deinen Rucksack und machst dich auf den Weg.
Oja, lass doch noch einen Notizzettel auf der Kühlschranktür zurück worauf vielleicht steht:

"Bin dann mal weg um eine Heldin zu werden"

Jetzt stolperst du den Weg entlang, irgendwo führt er dich schon hin.
Natürlich ist er unwegsam, voller Steine, du kommst nicht schnell voran. Aber es zieht dich weiter, immer weiter. Und zum Glück gibt es auch Bäume die Schatten spenden, Bächlein die kühlen und frisches, grünes Gras. Aber du wirst Müde, so Müde und verzweifelt quält dich die Frage ob du überhaupt richtig bist.

Und dann, um die Kurve, auf einer Bank in der goldenen Sonne sitzt er. Ein ruhiger, altersloser Mann. Er raucht ein Pfeifchen, summt ein Liedchen und rauft das Fell seines zotteligen Hundes der an seiner Seite sitzt. Du lässt dich neben ihm nieder und packst dein Butterbrot aus (es gab doch noch eine nicht verschimmelte Dose). Du teilst dein Brot mit ihm, er lächelt und beißt dankbar ab.
Er hat einen dicken roter Apfel, den er mit seinem Messer zerteilt. Du hattest vollkommen vergessen wie gut so ein frischer Apfel schmecken kann. Das Wasser aus seiner Flasche ist klar und du fühlst dich erfrischt. 

Und dann sprudelt es einfach aus dir raus: Warum du so mir nichts dir nichts, packen und gehen musstet, was dich so rastlos und kribblig gemacht hat, warum nichts in deinem Leben so ist wie du es dir vorgestellt hast und, dass du jetzt einfach nicht mehr weiter weißt.

Er schaut dich an mit seinen klaren Augen. Voller Mitgefühl. Voller Liebe. Ein Lächeln blitzt hervor:"Das wird schon. Das schaffst du. Du bist auf dem Weg. Und du bist goldrichtig. Und du bist doch nicht alleine. Ich bin bei dir. Ich helfe dir. Auch wenn du dein Weg mal verlierst, auch wenn du mich nicht siehst und du nicht mehr weiter weißt, ich bin immer da. Vertraue mir."

Staunend spürst du: Ja. So ist das. Du fühlst ganz tief in deinem Inneren, dass du ihm vertrauen kannst und dass es stimmt was er sagt. Neue 
Kraft fließt in deinen müden Beine, in deinen ganzen Körper. Du springst auf und rufst: "Na dann, auf geht's! Worauf warten wir?"

So könnte deine Heldenreise anfangen.
Aber, wie geht es dann weiter?

Tja, Heldinnen fallen nicht einfach aus der Luft. Du ahnst es schon. Jetzt wird's hart. Wenn du sowohl samtweiche Pfötchen mit lange, knallrot gelackte Krallen haben willst als auch Unkraut jäten, Erdklumpen aufbrechen und Saatgut einsäen willst für dein neues Guerilla-gardening Project, wirst du dich entscheiden müssen was dir wichtiger ist.

Auch ich musste mich irgendwann entscheiden: folge ich mein Herz oder mein Verstand? "Ich will Schreiben!" rief mein Herz. "Bist du bescheuert", antwortete mein Verstand, „ damit verdienst du kein Geld". "Ich habe so oft schon alles riskiert und zuletzt auch alles verloren. Und wofür? Nicht mal für mich und für mein Herzensprojekt! Wer soll mir jetzt noch glauben? Wer hat noch Vertrauen in mir? Ich habe bisher doch nur versagt!" 


Ich habe Jahrelang geglaubt was mir anerzogen wurde: "Bleib auf dem Boden. Erhebe dich nicht. Sei fleißig und erwarte nicht zu viel vom Leben. Dann wirst du auch nicht enttäuscht. Schau zuerst auf den Bedürfnissen von deinen Geschwistern, deiner Mutter... du bist doch die Älteste, auf dich muss doch Verlass sein!"

Und später waren da ein Mann, aufwachsende Kinder, Klienten, Angestellten, Freunde. Auch die haben mich gebraucht. Ich wusste immer was alle nötig hatten, ich konnte die Wünsche und Sehnsüchte von Allen lesen bevor sie die selber erkannten. Aber meine eigenen Bedürfnisse kannte ich nicht. Meine wirklichen Talente waren mir verschleiert.

Geht es dir auch so? Dann fühlst du dich nicht wie ein Held. Dann fühlst du dich eher wie ein Versager. Du bist abgestiegen in den Abgrund. Es gibt kein Vorwärts aber auch kein Zurück. Du sitzt fest. Ich saß über zehn Jahren fest. Und doch habe ich vieles in der Zeit unternommen, um weiter zu kommen. 

Nie bin ich stehen geblieben. Immer neue Projekte, Geschäfte und Ideen verfolgte ich. Ich jagte dem Geld hinterher. Nicht aus Gier. Nur zum Überleben. Aber immer aus Angst. Und je mehr ich das tat, um zu mehr zerrann es mir wie Sand zwischen den Finger. Es ging auf und ab, wie eine Achterbahnfahrt.

Irgendwann war ich Unten angekommen. Unterer ging nicht mehr. Es war die finstere Nacht der Seele. Und dort schaute ich meinen tiefsten Ängsten in die Augen. Die Angst nicht gut genug zu sein. Die Angst meine Berufung zu verfehlen und mein Lebens-Sinn zu verpassen (gestehe: ich hatte immer schon das Zeug zum Drama-Queen).  Und die ganz reale Angst nie wieder richtig Geld zu verdienen.

Da blieb mir nichts anders über als mein Knie zu beugen vor etwas das größer, mächtiger und stärker war als mein kleines, abgekämpftes Ich. Am tiefsten Punkt wartete er da den ich lange vorher in meiner Heldenreise auf der Bank begegnet war. Und ich war nicht mehr alleine. Er hat einfach seine Arme weit aufgemacht und mich festgehalten.


„Ich liebe dich“, hat er gesagt. „Du bist das Größte, das Beste, das Einzigartigste was es gibt. Noch nie habe ich einem solch schönen, wertvollen, wunderbaren Kind geschaffen wie dich. Du bist unendlich kostbar. Für dich bewege ich Himmel und Erde! Du bist meine Heldin!“

Ich war angekommen. Glücklich. Im Frieden. 
So soll es für immer bleiben.

Hört die Geschichte hier auf? Auf dem Höhepunkt? Wo es am schönsten ist? Alles ist möglich, alles 
ist neu. Darf es für immer so bleiben?

" Awa, das wär doch langweilig!" Nein. Jetzt fängt es erst richtig an! Weil das Spiel hier auf Erden noch lange nicht ausgespielt ist. Es gibt noch so viele Achterbahnen die du noch nie gefahren bist auf das Oktoberfest deines Lebens!  Du darfst sie noch alle abfahren und die ganz besonderen Hochs und Tiefs genießen. Dafür bist du doch hier auf Erden. Wofür denn sonst???

Und schließlich, eines Tages als die Sonne fast untergeht haben deine Füße dich nach Hause getragen. Die Tür ist angelehnt. Der Hund kommt bellend vor Freude auf dich zu gerannt, springt hoch und leckt dein Gesicht. Die schmutzige Wäsche liegt noch auf dem Küchenboden und die Butterbrotdosen stehen rum wie immer. 

Du gehst erst mal ins Bad, willst deine Hände waschen und Haare bürsten. Dann siehst du dich im Spiegel an. „Hallo du“, flüsterst du, „du bist wieder Zuhause. Und jetzt. Was ist jetzt? Was hast du vor zu weisen, was hast du gelernt und mitgenommen von deiner Heldenreise?“ 

Deine Augen schauen dich groß und  etwas erstaunt an und ehe du es dir versiehst, kullerst du vor Lachen, es schüttelt dich. Schlapp fällst du auf das Sofa (ja, die Hundehaare sind auch noch da) und du weißt einfach: alles ist perfekt so wie es ist. 

"Mich!" rufst du laut, "mich selbst habe ich mitgenommen, einfach so wie ich bin. Voller Kraft und Lachen aber auch mit Zicken und Zacken. Heilig und Scheinheilig. Mit Tränen und mit Freude! Ich bin ich und es ist genug. Ich traue mir alles zu, ich bin weich und stark, unbiegsam und flexibel, so wie wir Frauen nun mal sind: alles gleichzeitig“. 
Und wieder prustest du vor Lachen. Du bist angekommen. Bei dir. 

Später, viel später ist die Sonne unter gegangen in einem Bad von Rot und Purpur. Die Nacht kommt. Alles ist still draußen. Du schließt die Türe und Fenster, lädst noch eine Wäsche in die Maschine und setzt die Butterbrotdosen für den nächsten Tag bereit. 
Dein Herz ist voller Freude und Frieden. So soll es sein.







Unsere tiefste Angst ist nicht,
dass wir unzulänglich sind,
Unsere tiefste Angst ist,
dass wir unermesslich machtvoll sind.
Es ist unser Licht, das wir fürchten,
nicht unsere Dunkelheit.
Wir fragen uns: “Wer bin ich eigentlich,
dass ich leuchtend, begnadet,
phantastisch sein darf?”
Wer bist du denn, es nicht zu sein?
Du bist ein Kind Gottes.
Wenn du dich klein machst,
dient das der Welt nicht.

(Marianne Williamson in "Rückkehr zur Liebe")

Mein tiefster Dank gilt Uwe Walter, der mir das fehlende Puzzlestück zu meiner Berufung überreicht hat während die fantastische Storytelling Masterclass in Köln. Uwe und Svenja Walter sind Herz und Geist hinter diese Entdeckungsreise nach authentisches Schreiben ohne Wenn und Aber. Danke Svenja für dein Erkennen und deine Einladung dabei zu sein. Was Ihr macht ist unendlich kostbar.


Eure Joan

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