Donnerstag, 28. November 2013

Weihnachten oder 1000 Tode sterben?

Bäume in Winter, schöner als jeder Weihnachtsbaum, hier bei der Ludwigskirche in München




























Liebe Leser!
Mein Post „Weihnachten? Nein, Danke!“ hat sehr viel Reaktion ausgelöst. Darüber freue ich mich. Letztendlich wird ein Blog nur lebendig durch seinen Leser und wenn ich mit meinen Beiträgen Resonanz aufrufe, dann ist das gut. Es geht mir nicht darum das ihr meiner Meinung teilt oder das ihr


alles so toll findet was ich schreibe. Im Gegenteil, ich rüttele gerne auf und schüttele mal wach. Mich selbst inklusive!
In weitere Artikel werde ich das Thema vertiefen und aufschlüsseln und sag euch dabei vielleicht nur: urteile nicht zu schnell, es kommen noch einige Überraschungen auf euch zu!
Die goldene Birke, schöner wie jeder Weihnachtsbaum!

Gerne will ich hier ein Brief von Dani aufgreifen, sie schreibt mir folgendes:

Liebe Joan,

dein Blogeintrag hat mich sehr berührt. Du fragst dich, was passiert, wenn du Weihnachten ausfallen lässt. Eines wird auf jeden Fall passieren: Deine Kinder werden dieses Weihnachten nie vergessen. Ich weiß nicht, wie alt Deine Kinder sind, aber ich meine mich an einen Eintrag von Dir zu erinnern, dass du auch eine 15 bis 16-jährige Tochter hast?
Es ist auch egal ob 15 oder 25, was ist Weihnachten ohne die Mama. Meine Töchter sind 16 und 22 und freuen sich schon wie verrückt auf die Weihnachtszeit. Bei uns muss dann alles sein wie immer, d. h. mein Mann sucht mit der ältesten Tochter den Weihnachtsbaum aus und ich und meine jüngste Tochter meckern, wie blöd der Baum doch ist und versuchen ihn dann so zu schmücken, dass er schön ist. Wir meckern auch bei schönen Bäumen, weil das muss so sein, das war immer so.

Hast Du Dir mal überlegt, dass Du Weihnachten für Deine Kinder bist? Wer macht die tollsten Plätzchen, wer hat für und mit uns gebastelt, gesungen und gebacken? Die Mama! Du wirst auf jeden Fall dieses Jahr ein paar Menschen fehlen, für die du Weihnachten bist. Denn Weihnachten ohne all die lieben Menschen um uns ist nicht Weihnachten.
Und wenn allein die Trennung und der Schmerz darüber dein Grund dafür ist, Weihnachten ausfallen zu lassen, so überlege dir doch in Liebe für deine Kinder, ob du nicht ein Weihnachten mit neuen Ritualen schaffst, halt für die Zeit danach, aber ganz ausfallen lassen, meinst Du es macht dich glücklich?

Ich wünsche Dir von ganzen Herzen eine gute Zeit und bin gespannt auf Deine Berichte.


LG Dani

Weihnachtskugeln am Rosenstrauch
Liebe Dani,

deine Antwort hat mich sehr berührt. Vielen Dank dafür! Etwas Schöneres kann eigentlich über das Weihnachtsfest in der Familie nicht geschrieben werden und es ist so wahr.
Bei deinem Satz „ Hast Du Dir mal überlegt, dass du Weihnachten für Deine Kinder bist?“ kamen mir dann die Tränen. Dani, ich habe es noch nie so gesehen aber du hast so was von Recht! Die Mutter ist Weihnachten. Und ich war es lange, lange Jahren für meine Kinder.

Meine Tochter wird in ein paar Tage 17 und mein Sohn ist jetzt 21 Jahr geworden. Wir sind Zusammen in den letzten 2 Jahre durch eine sehr aufrüttelnde und oft schmerzvolle, aber gleichzeitig auch sehr schöne und intensive, Zeit gegangen. Ungefähr um dieser Zeit in 2011 habe ich nach 22 Ehejahren den Vater meiner Kindern und mein Mann verlassen, ganz Bewusst und trotzdem sehr überraschend.

Alles hat sich dadurch verändert. Kein Stein ist auf dem anderen geblieben. Das Leben meiner Kinder wurde zutiefst aufgerüttelt und verändert durch meine Entscheidung. Und weil es kein Familienfest gibt das so emotional ist und so unter die Haut geht als das Weihnachtsfest, wühlten die letzten zwei Feste so richtig auf.

Kerstmis 2011 bin ich mit den Kindern zu meiner Familie gefahren. Wir fühlten uns geborgen und sicher und wir waren alle drei erleichtert nicht konfrontiert zu werden mit lieb-gewonnen Traditionen und Ritualen. Ich hatte nachher das Gefühl, die Weihnachtsklippe sehr erfolgreich umschifft zu haben. Es war wie eine kurze Verschnaufpause in eine extrem turbulente Zeit.

Letztes Jahr Weihnachten war dann die Zeit gekommen das Fest frisch und frei zu begehen in unseren neuen Lebensumständen. Wir hatten ein fröhliches, leichtes und unkompliziertes Fest!
Aber es war doch nicht "wirklich" Weihnachten für mich. Weil ich einfach nicht wusste wie ich Weihnachten feiern wollte. Ich hatte mich zwar neu "erfunden" aber alles war offen, roh und unfertig. 

Kleine Kinder machen es einem leicht, Rituale zu etablieren die zu Tradition werden können. Wie schreibst du so schön: "das muss so sein, das war schon immer so!" Aber bei mir ist nichts mehr so wie es mal war. Und ich will auch gar nicht mehr anknüpfen an dem Alten. 

Es ist unglaublich wie groß das Bedürfnis vieler Menschen nach Regeln und Rezepte ist, vor allem zu Weihnachten!

In meiner neue Familienzusammensetzung befreie ich mich gerade von jeglicher Erwartung, jegliches Gefühl das etwas sein muss. Wir müssen gar nichts. Aber wir dürfen dafür alles. Wir dürfen unser Fest neu erfinden und wie das aussehen wird, darüber werde ich dann berichten.

Erstmals will ich alles verabschieden was ich mal gekannt habe: die Gewohnheiten und Traditionen in meiner Familie, ohne Glauben. Dann will ich mich aber genauso entfernen von den Ritualen eines Weihnachtsfestes die gewurzelt sind in eine deutsche, sehr traditionell-christliche Familie. Ich bilde gewiss keine traditionelle Familie mehr. Mein Glauben aber steht wie ein Fels. Und aus diesem Glauben schöpfe ich Kraft und Hoffnung. Ich will Neue Wege finden Weihnachten zu begehen.

Oder soll ich vielleicht sagen: ich möchte auch von dem Spirit, den Geist von Weihnachten, gefunden werden! Gefunden von neuen Impulsen die aus Liebe, Andacht und aufmerksame Wahrnehmung der Situation heraus entstehen. Und dann "schaun mer mal" ! Ich jedenfalls, freue mich darauf. Es fühlt sich ungemein befreiend und leicht an und wirklich spannend. Das ist jetzt mein Weihnachtsabenteuer. Und mehr verrate ich jetzt noch nicht.

Danke für deine liebe, einfühlsame Worte Dani, sie haben mir sehr gut getan!


Liebe Grüße von Joan



Andrea Adams-Frey fasst diese Ungewissheit und ihre Antwort darauf für mich wunderbar zusammen in ihrem Lied: "1000 Tode"


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