Donnerstag, 1. August 2013

Raus mit der Sprache!

Mit 7 Jahren hatte ich eine Krankheit die mich für Monaten  Zuhause isolierte. Das war in der erste Klasse von der Grundschule. Wir lernten gerade lesen.
Meine Mutter sollte den Unterricht Zuhause einigermaßen fortführen. Weil sie aber noch 2 quirlige Jungs und ein neu-geborenes Baby hatte, legte sie mir kurzerhand ein Stapel Kinderbücher auf mein Nachttisch und sagte: "Hier, dann fang' mal an zu lesen!"

Ich erinnere mich noch wie ich mich in den ersten Wochen da durchkämpfte: laut buchstabierend, immer




wieder um Hilfe schreiend nach eine Mutter die keine Zeit hatte sich darum groß zu kümmern.  So blieb mir nichts anders übrig als holpernd-stolpernd selber weiter zu lesen  bis ich auf einmal  das Große Bild sah und die Buchstaben wie von Zauberhand sich zu verständliche Wörter und Sätzen an einander reihten.

In diesem erleuchteten Moment hatte ich gelernt in andere Welten ein zu tauchen und war ab sofort taub für alle Trubel um mich herum (oh, wie meine Mutter es später noch bereut hat das ich das so gut gelernt hatte).  Ich konnte lesen und die Welt öffnete sich in ihre ganze Fülle und Pracht.
Bald begann ich eigene Geschichten zu schreiben. Und im Gymnasium folgten dann die Aufsätze, am liebsten über 20 Seiten wenn die Lehrer mich ließen ....

Als ich meine heiß-geliebte Patentante erzählte das ich an ein Theaterstück für meine Klasse schrieb (da war ich 14 ), sagte sie mir : "Joan, wenn du wirklich gut schreiben willst, dann liebe die Menschen für die du schreibst!"
Liebe Tante Peter (ja, so hieß sie - nach Peter Pan ) damals habe ich einfach geschrieben weil etwas mich getrieben hat, und weil ich soviel zu erzählen hatte. Deine Worte hatte ich da noch nicht verstanden.

Ich studierte Journalistik und Kommunikation und schrieb immer noch viel, in meiner Muttersprache und auch auf Englisch. Dann aber stellte ich mein Leben auf dem Kopf  und zog nach Deutschland.
Mit Schreiben war da lange nichts mehr. Ich fühlte mich nach und nach als ob ich meine Sprache verloren hatte und ich wusste - sprachlich gesehen - nicht mehr wo ich hin gehörte.
Aber es kam der Tag wo ich mir sagte: du wohnst jetzt seit über 20 Jahren in Deutschland. Du sprichst nur mit deinen Kindern Niederländisch. Sonst aber, redest du Deutsch. Du ließt auf Deutsch, du liebst auf Deutsch, du sprichst Deutsch in deinem Alltag, du siehst sogar Filme die auf Deutsch synchronisiert sind (auch wenn du es nach wie vor nicht magst) ... wann fängst du endlich mal an auf Deutsch zu schreiben?

Lange war ich der Meinung das ich das nicht kann. Deutsch war für mich die Sprache der Dichter und Denker, die Sprache von Goethe und Schiller. Wie könnte ich es wagen in dieser große Sprache, mit diesem Instrument das einem erlaubt sich so unglaublich komplex und präzise aus du drucken - viel mehr wie auf Niederländisch oder auch auf Englisch - wovon ich die so schwierige Grammatik bis Heute nicht beherrsche und wessen viele Sprach-regeln mir fremd bleiben .... upps, siehste du was ich meine? Da ist es ja: ich fange ein großer Satz an, so ein Satz der sich über einen ganze Paragrafen hinzieht, der sich aufbaut wie eine riesige Welle und der mich dann krachend auf der Boden der Tatsachen wirft : du hast IMMER noch nicht verstanden wann man Dativ und Akkusativ einsetzt, du benutzt die Kommas nicht richtig und du verlierst dich in der Komplexität dieser Sprache. Du hast wohl gar kein Gefühl dafür! Und du machst auch noch  zuviele Rechtschreibfehler!

Stimmt!  Aber ich kann was. Ich kann schreiben weil ich jetzt dort angekommen bin wo Tante Peter mich damals gesehen hatte. Dafür brauche ich nur ein offenes, warmes  Herz, wache Augen und Ohren und Sinn für Humor. Ich habe das Bloggen für mich entdeckt als ein ideales Instrument zum Üben und Spass haben - und dabei  Blogge ich über etwas was ich liebe: Kochen!
Und warum? Just for fun! Oder wie Mimi sagen würde: Weil es mein Herz zum singen bringt!
Aber nicht nur Kochen bringt mein Herz zum Singen. Ich habe noch viel mehr worüber ich singen und erzählen will, das werdet Ihr nach und nach entdecken können in meinem Blog.

Ich fange also wieder an zu schreiben, sowie ich das früher gemacht habe: mit viel Leidenschaft und viel Freude!  Ich schreibe einfach darauf los. Über alles was mir am Herzen liegt, und für die Menschen die ich liebe.


 Dank je, lieve tante Peter!

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